Archiv für das Schlagwort ‘Bestand

Erstaunliches unter Wasser   3 comments

Gestern habe ich euch ja schon vom Einzug von Ringo und Joringel erzählt. Ganz so einfach gestaltete der sich allerdings nicht. Ursprünglich sollten die Zwergringelhechtlinge, die gar nicht leicht zu bekommen sind, nämlich ins 45-Liter-Becken zu den Neonsalmlern ziehen. Dort fanden sie eigentlich tolle Bedingungen vor: teilweise Schwimmpflanzendecke, Torffilterung und viel Platz.

Dennoch hatte ich das Gefühl, dass sie sich dort nicht richtig wohl fühlten. Sie drückten sich meist in der Nähe des Filters herum, hinter dem Ausströmer und genau auf der Seite ohne Schwimmpflanzen.

Vielleicht war den kleinen Fischchen das Becken zu groß, vielleicht die Filterströmung zu stark, jedenfalls habe ich sie umgesetzt, bevor das Folgen haben würde.

Gestern noch sind sie dann also in das 20-Liter-Becken zu den Zwergkärpflingen und den Red Fire gezogen. Dafür habe ich dort den Heizer wieder in Betrieb genommen und ein wenig Torf in den Filter eingebracht. Nach einer Eingewöhnungsphase scheinen die beiden sich dort sehr wohl zu fühlen und erkunden in einzelnen Ausflügen von der Wasseroberfläche aus das gesamte Becken, neugierig beäugt von den Zwergkärpflingen.

Vorsichtshalber richte ich nächste Woche noch ein 12-Liter-Becken ein. Weniger, weil ich mich noch um die Hechtlinge sorge, sondern weil ich sehen muss, ob sich frischer Nachwuchs der Kärpflinge vor den Hechtlingen schützen kann. Verstecke gibt es eigentlich genug, aber man muss sehen.

 

Ringo und Joringel

Ringo und Joringel

Dass es den Zwergkärpflingen (Heterandria Formosa) bestens geht, kann man hoffentlich auf dem nächsten Foto sehen. Ich habe sie ja vor einigen Wochen von meiner Freundin bekommen, nachdem ich lange Zeit vergeblich nach Nachschub gesucht hatte, weil sich mein Bestand nach vielen Jahren Zucht nicht mehr vermehren wollte und im Aussterben begriffen war.

Sie sind quicklebendig und bereiten mir viel Freude. Aus Erfahrung weiß ich, dass sie sich mit den ersten Nachkommen gern ein bisschen Zeit nehmen, dann aber erstaunliche Vermehrungsraten erzielen.

Wahrscheinlich werde ich sie nach einiger Zeit wieder etwas aufteilen, um damit den Genpool variabler zu halten. Und ich werde versuchen, regelmäßig „Frischfisch“ zu bekommen, so schwierig sich das auch gestalten mag.

 

Zwerge unter sich

Zwerge unter sich

Kommen wir nun zum wirklich Erstaunlichen. Ich habe während meiner ganzen Zeit als Aquarianer immer wieder Überraschungen erlebt, aber in der letzten Zeit haben sie sich gehäuft.

So etwa von den Kap Lopez. Leider hatte ich ja vor einiger Zeit festgestellt, dass den Kilifischen meine Tigergarnelen bestens gemundet hatten. Tja, was sollte man machen? Ich beschloss nach kurzer Trauerzeit, ihnen ein- bis zweimal im Monat ihre Leibspeise zu verabreichen und mich dabei der Red Fire zu bedienen, die sich ja in drei meiner Becken geradezu spielerisch vermehren.

Gesagt, getan. Zwei Wochen später kecherte ich für Lopez, Jennifer und Zora drei mittelgroße Red Fire, von denen auch bald nichts mehr zu sehen war. Doch in der darauffolgenden Woche fiel mir zufällig eine Bewegung am Bodengrund auf. Es sah gleich nach den typischen Bewegungen einer Garnele beim Abweiden des Substrats aus. Hatte etwa eine Red Fire überlebt?

Nein, was ich da entdeckte, war eine Tigergarnele! Sie musste den Kap Lopez entwischt sein. Allerdings bewegte sie sich jetzt ganz offen, wenn auch immer noch gut getarnt.

Inzwischen weiß ich den Grund: Obwohl es die Recherche zu bestätigen schien, sind die Kap Lopez gar nicht die schlimmen Garnelenfresser, als die ich sie in Verdacht hatte. Denn letzte Woche entdeckte ich  nach Fütterung mit einer Futtertablette nicht nur weitere Tigergarnelen, sondern auch alle drei Red Fire wieder, die ich umgehend wieder in ihr Ursprungsbecken verfrachtete, damit sie die Tigergarnelen nicht zuchttechnisch unterwanderten.

Die folgenden zwei Fotos (das zweite ist ein vergrößerter Ausschnitt des ersten) erklären vielleicht, wie die Tiger so lange von der Bildfläche verschwinden konnten:

 

Versteckter Tiger

Versteckter Tiger

Versteckter Tiger: Ausschnitt

Versteckter Tiger: Ausschnitt

Nun war also klar, dass ich auch in diesem Becken weiterhin Garnelen haben würde. Also gab es gleich mal das erste Garnelenzusatzfutter: eine überbrühte und aufgeschnittene Tiefkühlerbse.

Und gleich machte ich die nächste erstaunliche Beobachtung: Wer sich nämlich sogleich darauf stürzte war Kap-Lopez-Weibchen Zora. Wie ein Hund spielte sie mit dem kleinen grünen Ding. Sie visierte es immer wieder an, packte es mit ihren Lippen (ja, Kap Lopez haben Lippen), knabberte ein wenig und stieß es wieder von sich. Es schien ihr richtig Spaß zu machen. Ich hoffe, dass ich mal Gelegenheit bekomme, das zu filmen.

Nun muss man sagen, dass Zora von Beginn an das aufgewecktere der beiden Weibchen war. An Mut und Neugier übertrifft sie sogar den Hausherren Lopez um ein Vielfaches. Jennifer hatte möglicherweise auch ein Gesundheitsproblem, denn leider ist sie kurz, nachdem ich die erste Tigergarnele wiederentdeckte, verstorben.

Zora Erbsenkiller dagegen schwimmt stets mit einem prallen Bauch, durch den die Eier schimmern, durch das Becken und lässt sich von Lopez mehr als nur den Hof machen. Ob ich tatsächlich bald ihren Nachwuchs zu Gesicht bekomme und ob der für die Mutter weniger schmackhaft ist als die Erbsen, wird abzuwarten sein.

 

Lopez und Zora

Lopez und Zora

Die Garnelen haben also gezeigt, dass sie sich durchsetzen können. Das an sich war nicht so sehr überraschend, tun die Red Fire das im 54-Liter-Becken mit Glühlichtsalmlern und großen Querbandhechtlingen (!!!) doch schon seit langer Zeit.

Ein Rätsel haben sie mir neulich allerdings doch aufgegeben! Womit wir wieder im 20-Liter-Becken wären, in das gerade Ringo und Joringel eingezogen sind. Dort wimmelt es nur so von Red Fire, sofern sie Lust haben, sich sehen zu lassen. Einmal in der Woche bekommen sie neben dem sonstigen Futter eine Grünfuttertablette.

Um zu sehen, ob sie restlos aufgefressen wird und nicht etwa zur Wasserbelastung werden kann, schaue ich immer ganz genau, wo sich die Tablette am Boden niederlässt. Die Strömung ist, zumal am Bodengrund, nahezu gleich Null. Zumindest sollte sie einen Futtertab, der erst einmal abgesunken ist, nicht mehr vom Fleck bewegen können.

Trotzdem war sie schon kurz, nachdem ich sie eingeworfen hatte, verschwunden. Natürlich entdeckte ich sie schnell wieder: Sie lag ein ganzes Stück weg auf einem erhöhten (!!!) Absatz der großen Wurzel im Becken. Umringt von den Red Fire!

 

Die Futtertablette

Die Futtertablette

Nun, ich will es eigentlich gar nicht glauben. Es erscheint mir unmöglich, dass ein einzelnes Tier die Kraft haben könnte, so einen Tab auch nur auf ebenem Boden zu bewegen. Koordiniertes Vorgehen mehrerer Garnelen schließe ich völlig aus. Und doch … Der Tab wurde bewegt!

Aber vielleicht kein Wunder bei einigen Prachtexemplaren, die sich gerade in diesem Becken entwickelt haben:

 

Ein Prachtexemplar von einer Red Fire

Ein Prachtexemplar von einer Red Fire

Prachtexemplar in groß

Prachtexemplar in groß

Hilferuf erhört   3 comments

Tatsächlich! Binnen kürzester Zeit wurde mein Hilferuf erhört! Als meine liebe Freundin Paradalis mich aus Chemnitz besuchen kam, hatte sie ein großes Paket dabei. Ich hatte keine Ahnung, was sie mir da mitgebracht haben könnte.

Dann die absolute Überraschung: Sie hatte so lange alle Zoohandlungen rund um Chemnitz abgeklappert und abtelefoniert, bis sie endlich fündig geworden ist. Und zwar hier.

Nun ist mein Bestand an kleinen, süßen Heterandria Formosa, auch Zwergkärpflinge genannt, von nur noch einem einzigen auf 13 angewachsen. Und die haben sich sofort bestens in meinem „Sechser“ eingelebt und dürfen sich nun fleißig vermehren.

Heterandria mit Spiegelbild

Im Einklang mit den Red Fire

Gruppenbild mit Dame

Ein großer Dank dafür, dass ich meine Lieblinge nun wieder in großer Zahl pflegen darf, geht an Tropicus und natürlich ganz besonders an meine liebe (kleine, süße) Freundin!

Derart fröhlich bin ich dann heute auch bei meinem Rostocker Zoohändler fündig geworden und nun wohnt auch dieser prachtvolle Prachtkärpfling Lopez mit seinen beiden Weibchen in meinem „Mini“. Lopez trägt seinen Namen artgerecht (Kap Lopez), seine beiden Damen müssen mir ihre noch verraten.

Lopez, der Kap Lopez

Übrigens hat sich eines der beiden Weibchen sofort in der künstlichen Schneckenhöhle häuslich eingerichtet.

Erwischt   Leave a comment

Das Problem mit den Zwergkärpflingen, die mit lateinischem Namen Heterandria Formosa heißen, ist, dass sie verdammt klein sind. Zwerge eben. Sie gehören zu den kleinsten Fischen der Welt, damit zu den kleinsten Wirbeltieren überhaupt. Nur der Umstand, dass die Weibchen mit etwa 3,5 -4 cm Länge deutlich größer sind als die Männchen, die es meist nur auf 2 cm oder weniger bringen, macht es nicht ganz so unglaublich, dass diese Winzlinge lebende Junge zur Welt bringen, ja, dass die Weibchen sogar quasi ständig Jungtiere verschiedener Entwicklungsstadien im Leib tragen.

Das zweite Problem mit den Zwergkärpflingen ist, dass sie mit ihrer grauen Färbung und dem schwarzen Streifen erstaunlich gut getarnt sind. Und das dritte Problem beschreibt Wikipedia so:

„Der Zwergkärpfling liebt enge Strukturen, seien es die Zwischenräume von stark verkrautenden Pflanzen oder Spalten zwischen Steinen – erstere aber bevorzugt.“

All diese Probleme vereinen sich zu einem: Sie mit der Fotokamera zu erwischen, sodass man auf dem späteren Bild auch etwas von ihnen zu sehen bekommt, ist verdammt schwierig.

Aktuell kommt ein weiteres Problem dazu: Die Population der Tiere unterliegt starken Schwankungen, denn wie alle Lebendgebärenden vermehren sich die Fische zunächst rapide, ihr Bestand nimmt aber mit der Zeit beinahe ebenso schnell wieder ab, was auf Inzucht zurückzuführen ist.

Leider gibt es kaum eine Zoohandlung, die Heterandria Formosa dauerhaft im Angebot hat oder sie auch nur in einem annehmbaren Zeitraum bestellen kann. Daher herrscht zur Zeit bei mir eine akute Zwergkärpflingskrise und ich hoffe, dass mein Händler (der leider auch noch ein bisschen vergesslich ist), mir bald neue Exemplare anbieten kann.

Wer mehr über diese hoch interessante Fische erfahren will, findet auf Wikipedia einen recht umfangreichen Artikel.

Gestern ist es mir nun nach unzähligen Versuchen gelungen, zwei Männchen zu fotografieren und ein Bild zu erhalten, das auch wirklich ein bisschen was hergibt:

Hetreandria Formosa: Zwei Männchen